Jeder hat sich sicher schon mal Schwierigkeiten sein Headset in Teams in Betrieb zu nehmen und sich gefragt, wieso funktioniert mein Headset nicht genau so einfach und gut wie mit meinem Smartphone oder Tablet?
Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd, Windows behandelt klassische Bluetooth Headsets technisch wie zwei Geräte, und verwendet unterschiedliche Protokolle: A2DP für Stereo Audio-Wiedergabe mit guter Qualität, aber ohne Mikrofon. HFP für gleichzeitige Mono Wiedergabe und Aufnahme (Mikrofon). Für die qualitativ hochwertige Audio-Wiedergabe handelt Windows den Codec dynamisch aus, basierend auf Priorität, Treiber und Fähigkeiten beider Geräte.
| Codec | Erste Windows-Version | Hinweis |
|---|---|---|
| aptX Adaptive | Windows 11 24H2 | nur bei kompatiblen Qualcomm-Bluetooth-Radios |
| AAC | Windows 11 21H2 | Quasi Apple Standard |
| aptX Classic | Windows 11 21H2 | weit verbreitet |
| SBC | Windows 11 21H2 | Pflicht-Codec |
Wir können also festhalten, dass klassische Bluetooth‑Headsets unter Windows generell keine optimalen Voraussetzungen für hochwertige bidirektionale Audioübertragung bieten. Entscheidend ist hierbei nicht die Bluetooth‑Version, sondern die Unterstützung moderner Audiofunktionen wie LE Audio. Insbesondere die Einschränkungen bei Bandbreite, Codec und Übertragungsmodell der Profile werden hier deutlich.

Das bedeutet, dass immer dann, wenn das Mikrofon aktiviert wird, die Audioqualität einbricht, da sich das verwendete Protokoll ändert. Sowohl was das Mikrofon anbelangt, aber auch was die Audio-Wiedergabe anbelangt, da kein Protokoll wie A2DP mehr verwendet werden kann, sobald das Mikrofon aktiv ist.
Wenn im Gerätemanager folgende Geräte angezeigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß das es sich um ein klassisches Headset ohne Dongle handelt:

Entsprechend findet man dann auch nur qualitativ eingeschränkte Audioformate in den Windows Audio Einstellungen für dieses Gerät:

Um dieses Problem zu lösen, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Ein Headset mit eigenem Dongle, z.B.: Jabra Link 390
oder ein Headset, dass den relativ neuen LE-Audio Bluetooth Standard unterstützt. Dies trifft auch auf die Jabra Evolve3 Reihe zu.
Oft bringen Dongle auch noch einen weiteren Vorteil, nämlich die Zertifizierung für Microsoft Teams mit sich.
Microsoft (Teams) Zertifizierung
Zertifizierte USB‑ und Bluetooth‑Peripheriegeräte müssen definierte Leistungs‑ und Interoperabilitätskriterien erfüllen, um eine konsistente Medienqualität im Teams‑Client sicherzustellen. Für Headsets bedeutet das:
Wideband‑Audio (mind. 16 kHz Bandbreite): Keine Echo‑Artefakte, keine Verzerrungen, definierte Grenzwerte für Latenz, Stabilität und Audioqualität.
AEC (Acoustic Echo Cancellation) muss hardwareseitig oder DSP‑seitig implementiert sein.
Automatische Gerätepriorisierung: Der Teams‑Client erkennt mehrere angeschlossene Audiogeräte und setzt ein Default‑Device gemäß Prioritätslogik. Umschaltung erfolgt ohne Benutzerinteraktion.
Automatische Geräte‑Registrierung: Peripherie meldet sich über standardisierte HID‑/USB‑Protokolle beim Teams‑Client an und ist ohne Treiberinstallation betriebsbereit.
HID‑Call‑Control‑Kompatibilität: Einheitliche Steuerbefehle für:
Call‑Accept / Call‑Terminate
Mute / Unmute
Volume Up / Down
Diese Funktionen müssen sowohl unter Windows als auch macOS zuverlässig funktionieren.
Eine besondere Kategorie stellen die „Native Bluetooth“ Geräte da, die diese Anforderungen auch ohne dedizierten Dongle erfüllen. Dafür aber strengere Anforderungen an Bluetooth-Chipsatz, Treiber und Headset hat. Allerdings werden aktuell noch keine LE-Audio Geräte von Microsoft zertifiziert.

Ein dedizierter Bluetooth Dongle für ein Headset umgeht das Windows Bluetooth Stack und meldet sich bei Windows als USB-Audio Device (UAC).

Damit wird dann die Mikrofon-Umschaltung umgangen und über das Dongle liefert das Headset dann deutlich bessere Qualität. Die nötigen Protokolle sind in der Hardware des Dongles implementiert.
Die neuen Funktionen kommen mit Bluetooth LE Audio müssen aber sowohl vom Headset-Hersteller als auch vom Bluetooth-Chip sowie dessen Treiber unterstützt werden.

LE Audio ist ein neuer Bluetooth-Audiostandard, bestehend aus Codec (LC3), Profilen (BAP, TMAP) und neuer Transportlogik. Ausschlaggebend ist das neue TMAP-Profil, es ersetzt die alte Trennung zwischen HFP (Mono‑Sprachkanal) und A2DP (Stereo‑Medien) im LE-Audio Kontext und ermöglicht erstmals die gleichzeitige Übertragung von hochwertigem Stereo‑Audio und Mikrofon über eine einheitliche Verbindung. Der neue Codec LC3 sorgt für bessere Kompression bei Höherer Qualität und Samplerate.

In der Praxis ist die Nutzung von LE Audio und insbesondere TMAP in Anwendungen wie Microsoft Teams aktuell jedoch noch eingeschränkt, selbst wenn alle technischen Voraussetzungen erfüllt sind. Leider hat der neue Standard sehr spezifische Anforderungen, damit er unter Windows 11 genutzt werden kann und Anwendungen wie Microsoft Teams darauf zugreifen können:
Windows‑Version
LE Audio wird erst ab folgenden Versionen unterstützt:
Windows 11 Version 24H2 oder neuer
Ältere Windows‑Versionen können LE Audio nicht nutzen.
Bluetooth‑Adapter / Funkmodul
Bluetooth 5.2 oder höher
Unterstützung für LE Isochronous Channels (LE‑ISO)
Das ist die technische Grundlage für LC3, BAP, TMAP, Auracast
Viele ältere Bluetooth 5.2‑Adapter unterstützen LE‑ISO nicht, obwohl sie angeblich Bluetooth 5.2 unterstützen. Wichtig ist also nicht die Versionsnummer, sondern die LE‑Audio‑Fähigkeit des Controllers.
Nur bestimmte neuere Intel- und Wi-Fi 7 Module unterstützen LE Audio vollständig, abhängig von Firmware und Treibern.
Die verbreiteten Realtek‑SoCs bieten meist nur klassisches Bluetooth‑Audio (A2DP, HFP, AVRCP). Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels konnte ich in den offiziellen Realtek‑Quellen keine Unterstützung für Isochronous Channels und die, für LE Audio notwendigen Profile wie LC3, BAP oder TMAP finden.
Headset / Earbuds
Das Audiogerät muss Bluetooth LE Audio unterstützen, und zwar:
LC3‑Codec
BAP (Basic Audio Profile)
TMAP (Telephony and Media Audio Profile)
Viele aktuelle Geräte (2023–2025) unterstützen nur LC3 für Musik, aber kein TMAP.
Das Jabra Evolve3 unterstützt diese Profile laut technischer Spezifikation.
Treiber & Firmware
Windows muss den Microsoft LE Audio Stack verwenden. Der Bluetooth‑Adapter benötigt einen aktuellen OEM‑Treiber

Sobald nur eine der Voraussetzungen nicht erfüllt ist, kann LE-Audio nicht genutzt werden. Daher ist es gut, dass Headsets nach wie vor mit einem Dongle geliefert werden, um diese Komplexität zu verringern.

Audio in Teams Meetings – Teil 2: Windows Audio Stack und Qualität
Im zweiten Teil der Reihe schauen wir uns an, welche Windows Features ggf. zusätzlich Einfluss auf die Audioqualität haben und welche Einstellungen empfehlenswert sind.
Audio in Teams Meetings – Teil 3: Teams Audio und Einstellungen
Der dritte Teil betrachtet wie Teams Audio verarbeitet und welche Audio-Optionen im Teams Client konfiguriert werden können.
Quellen:
Bluetooth LE – Microsoft Learn
Bluetooth LE Audio Wideband
Jabra Link 390 Spezifikationen
Jabra Evolve3 85
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